Zuckerfrei

Zwei Wochen verbrachten wir bei Jennifer und Tony mit ihren beiden Kindern Czinnia und Pico. Sie leben auf einen kleinen Lifestyle-Block mit knapp zehn Acre Land, das aus einem großen Gemüsebeet, einen Apfel-, Kastanien,- und Haselnussbaumgarten und Weideland besteht.

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Hier grasen zurzeit vier Beefies (also Rinder, die für Fleisch gehalten werden) wobei eins bei Bedarf für den Eigengebrauch zuhause geschlachten wird und so ist die ganze Kühltruhe mit gutem Fleisch von glücklichen Tieren gefüllt. Die Familie achtet sehr auf die Qualität von Nahrungsmittel und leben nach einer zuckerfreien Diät. Das hört sich erst mal viel schlimmer an, als es ist. Man verzichten zwar auf Zucker, dafür sind tierische Fette um so wichtiger. Das heißt: keine Vollmichschokolade, wenig Obst und kaum Gluten, dafür viel Gemüse, Fleisch und alles wird in Rinderschmalz gebraten. Es gab jeden Morgen ein ausgezeichnetes Frühstück mit Ei, Speck und Salat und das beste: Sauerteiroggenbrot mit Butter! Der Salat kam aus dem eigenen Garten und wurde jeden Tag frisch gepflückt. Ich habe festgestellt, dass ich viel leichter auf Zucker als auf Fett verzichten kann und genoss jede Mahlzeit. Das lag aber nicht nur am leckeren Essen sondern auch an den vielen guten Gesprächen mit Tony und Jennifer.

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Wir schliefen in einer kleinen, gemütlichen Hütte, in der wir nachts den Sternenhimmel bewundern konnten und morgens von dem übereifrigen Hahn sowie der Sonne, die uns ins Gesicht schien, geweckt worden sind. Das Haupthaus selbst war urgemütlich und hat innen und aussen eine interessante Aufteilung, von der Sebastian immer noch schwärmt. Wahrscheinlich wird unser Haus später ähnlich aussehen. Wir genossen den schönen Ausblick und die Zeit, die wir auf der großen Holz-Terrasse verbrachten.

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Während Jennifer sich um die Kinder und den Alltag kümmert, arbeitet Tony als selbstständiger Bauarbeiter oft im Bereich Hausbau. Die Familie verlor bei den schlimmen Erdebeben 2010/2011 in Christchurch ihr Heim und als Vorsorge wird zurzeit dieses Haus erdbebensicher gemacht. Wie die meisten Häuser hier in Neuseeland, besteht das Haus hauptsächlich aus Holz. Sebastian und Tony verbachten viele Abende damit, die Holzbalken aneinander zu nageln, denn so stützen sich die Balken bei einem Beben gegenseitig und das Haus klappt nicht wie ein Kartenhaus zusammen. Die andere Baustelle war die Neuisolierung der Wände im Wohnzimmer.

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Die meiste Zeit bin ich Jennifer zur Hand gegangen: Ich habe im Garten Unkraut gejätet, beim Essen geholfen und selbst Joghurt hergestellt.

Die Gartenarbeit macht mir viel Spass und ich kann es kaum erwarten, meinen eigenen Garten zu haben, um dann die Früchte meiner Arbeit pflücken zu können. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn es ist ein klein wenig deprimierend umzugraben, stundenlang Unkraut zu zupfen, einzupflanzen und niemals in den Genuss zukommen, die Pflanzen wachsen, ernten und schließlich essen zu können.

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Eine Neuerfahrung für uns war, dass die Kinder von zuhause unterrichtet wurden. Um ehrlich zu sein, habe ich hier kein Prinzip einer Grundausbildung erkennen können, aber das mag an meiner engstirnigen, deutschen Vorstellung liegen. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass man hier die Kinder Kind sein lassen hat und sie ihre eigenen Interessen nachgehen konnten. So war die zehnjährige Czinnia ein aufgewecktes Mädchen, dass gerne die Zeit draussen und mit Freunden verbrachte. Pico interessierte sich mehr für Comics und Lucky Luke-Filme.

Während unserem Aufenthalt hatten wir ziemlich Glück mit dem Wetter, aber der Sommer ist hier, kurz vor Weihnachten, schon fast angekommen. Die Tage waren meist sonnig und oft über 24 Grad. Das Grundstück lag nur wenige Meter vom Motueka River entfernt und Sebastian und Czinnia überzeugten mich, eine Raftingtoour auf großen Schwimmkringel zu unternehmen. Also setzte uns Jennifer ein paar Kilometer entfernt ab und wir wollten die Strömung des Flusses nutzen, um uns zurück zum Haus treiben zu lassen. Ich hatte es geahnt, aber das Wasser war scheisskalt und nach einem geschätzten Kilometer klapperten Sebs und Czinnias Zähne unkontrolliert und wir mussten zurück ans Ufer, um nicht denselben qualvollen Tod zu sterben wie Jack (Titanic). Um uns aufzuwärmen, liefen wir einen Teil der Strecke durch das Uferdickicht, aber den letzten Abschnitt ging es wieder auf den Schwimmkringel mit möglichst wenig direkten Wasserkontakt. Wir überlebten, gingen aber kein weiteres Mal schwimmen.

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Neben der unscheinbaren Katze Safran war die einjährige Hündin Shadow ein weiters geliebtes Familienmitglied. Sie war bildschön, klug und schlecht erzogen. Der Huntaway ist eine neuseeländische Hüte/-und Jagthunderasse und steht in der Intelligenz einem Border Collie im nichts nach. Hier in Neuseeland dürfen Farmer fremde Hunde, die ihre Tiere auf eigenem Land jagen, erschiessen. Shadow liebte es, Schafen hinterherzurennen und hat es sogar geschafft, fremde Tiere über den Fluss zu hetzen. Die direkten Nachbarn der Familie sind sehr nachsichtig, aber ich befürchte, andere werden es nicht sein. Am liebsten hätten wir Shadow behalten, aber das ging natürlich nicht und so warten wir weiter auf unseren zukünftigen Eigenen.

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Bis dahin geniessen wir das Reisen in vollen Zügen und erklären den Sandfliegen weiterhin den Krieg. Ich befürchte inzwischen nur, dass wir diesen aufgrund der zahlenmäßigen Unterlegenheit verlieren werden. Irgendwann werden uns nichtsahnende Touristen blutlos am Stand finden, denen dann das gleiche Schicksal ereilen wird. Schade drum.

Ach ja: Wenn ihr noch ratlos sein, was dieses Jahr als Weihnachtsfestschmaus auf den Tisch kommen soll, empfehle ich euch das traditionelle Neuseeländische Menü: Schmeißt Steaks und Würstchen auf den Grill und macht euch dabei ein kühles Bier auf. Zisch! Ahhhh!

Ich wünsche euch allen fröhliche Weihnachten, eure Nadine

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