Die Westküste

In den letzten Wochen bereisten wir die vielseitige Westküste Neuseelands, wo es viel zum Entdecken und Bestaunen gab. Es hat sich einiges angesammelt, dass ich euch erzählen und zeigen möchte, aber die einzelnen Erinnerungen verblassen bereits allein durch die Vielzahl der besuchten Orte.

Einen Versuch ist es trotzdem wert:

Der letzte Woofing-Aufenthalt gab uns neben jede Menge Nachdenkmaterial auch Julian, ein anderen Woofer mit auf den Weg. Wir boten ihm eine Mitfahrgelegenheit nach Westport an und er revanchierte sich mit zwei Liter köstlicher Eiscreme, die wir zu dritt verdrückten. Scheinbar litten wir unter Zuckermangel, aber mit Sicherheit waren es Zucker-Entzugserscheinungen, die befriedigt werden mussten. Ich bin nicht stolz darauf, aber Sebastian und ich schafften eine weitere 2L-Box Eiscreme ein paar Tage später über den Tag verteilt auch allein.

Ein Teil von Westport liegt direkt am Meer und hier durften wir in Vanna nächtigen. Westport ist ansonsten kein attraktives Städtchen. Es ist charmlos und die Einkaufsmöglichkeiten bestehen ausschließlich aus Schrott (Chinesische Billigläden, Möbelhäuser, dessen Angebot bestimmt 20 Jahre aus der Mode gekommen ist und “Antiquitäten”-Läden, die die Dinge verkauften, die bei anderen im Keller vor sich hin vegetieren). Es war also kein Ort, der zum Verweilen einlud. Als erstes wollten wir zum 100 km nördlich liegenden Karamea. Obwohl die Strecke sowie die Landschaft hier in höchsten Tönen gelobt wird, verirrt sich kaum ein Tourist. Die Meisten übersehen die Strecke einfach und rasen aufgrund ihres Zeitdruckes, ganz Neuseeland in drei Wochen zu bereisen, weiter die Westküste hinunter. Wir aber fuhren langsam den Karamea Highway hinauf und wurden zahlreich belohnt.

Charming Creek Walkway

Beim Mokihinui Rex liegt das Schiffswrack der 1891 gesunkenen S.S Lawrence

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Aussichten vom Karamea Highway

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Der Fenian Caves Track führte uns zwei Stunden durch dichten Regenwald, aber das Highlight das Durchkriechen der Tunnel Cave. Ausgerüstet mit Stirnlampen wagten wir uns in die Schwärze und konnten Glühwürmchen sehen und fanden Steine, die zumindest so aussahen, als hätten sie Goldpartikel in sich.

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Sonne, wir werden uns wieder sehen

Der Heaphy Track ist ein Fernwanderweg, der nördlich von Karamea startet und innerhalb ca. einer Woche zum Nordost Ende des Kauhrangi National Park führt. Wir wanderten den Pfad ein paar Stunden ab und neben karibisch anmutenden Dschungel und Strand führte der Weg an der Küste entlang. Hier war das Meer ziemlich rau und riesige Wellen brachen an den Felsen.

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Du kommst hier nicht vorbei!
Du kommst hier nicht vorbei!

Wir verbrachten in dieser Region ein paar Tage und danach ging es erst die hundert Kilometer wieder zurück nach Westport und am folgenden Tag besuchten wir Punakaiki. Dieser Ort ist berühmt für seine sogenannten “Pancake-Rocks” und wahrlich sehen die Felsen hier wie getürmte Pfannkuchen aus. Die Attraktion steht in jedem Reiseführer, dennoch war es für uns ein riesen Schock, als wir dort ankamen. Ich glaube, auf der ganzen bisherigen Reise hatten wir noch nie so viele Touristen an einem Ort gesehen. Wir mussten sogar nach einen Parkplatz suchen! Es brauchte jede Menge Zeit, Fotos ohne Touristen zu machen um euch glauben zu lassen, dass wir hier überall immer ganz alleine sind ;). Neben den pfannkuchengeformten Steinen gibt es auch ein beeindruckendste Blowhole, dass alle paar Minuten das Meerwasser durch eine kleine Öffnung in den Himmel drückt und einen Pool, in der sich die Wellen gegenseitig überschlagen. Das kann man sich ziemlich lange vergnüglich anschauen.

Sebastian wanderte danach allein den Pororari River Canyon Track. Ich war bei dem Fenian Track blöde über eine nasse Wurzel gerutscht und habe mir etwas in der Hüfte verrenkt. Seitdem muss ich sie schonen und etwas kürzer bei Wanderungen treten, was mir zunehmen schwerer fällt.

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In Greymouth gab es einen Campingplatz direkt am Meer und wir beendeten den Tag mit Bier und Wein. Am nächsten Morgen  sahen wir Delfine, die direkt vor uns in der Bucht schwammen. Es war ein schöner Ort. Greymouth selbst ist ein kleines Örtchen mit einer Kohleabbau-Geschichte. Durch viele kleine schön gestalteten Holzhäusern wirkt die Stadt aber eher dem Wilden Westen entsprungen als wie das Ruhrgebiet.

Nach der Zeit am Meer spürten wir wieder Lust auf die Berge und fuhren nach Arthur’s Pass. Arthur’s Pass liegt im Arthur’s Pass National Park und ist eingeschlossen zwischen hochalpinen Berghängen.

Hier gibt es die einzige Papageien-Art, die sich im hochalpinen Gebirge wohl fühlt: Der Kea. Der Kea ist einer der klügsten Vögel der Welt und soll ziemlich frech sein. Wir bzw. Vanna wurden bisher glücklicherweise verschont, aber Keas lieben es, Dichtungen von Autos abzureissen und Schilder warnen davor, die Reissverschlüsse von Taschen besonders gut im Auge zu behalten, da die Papageien sie nicht nur öffnen sondern auch diebisch sein können.

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Der Kea

Eine Erfahrung, die wir allerdings machten, war, dass man auf keinen Fall Kaffee trinken sollte, bevor man einen Spaziergang macht, der steil bergauf geht. Unsere Herzen pumpten und wir brauchten genauso viele Pausen wie die Rentner mit ihren Gehstöcken auf dem Weg zum Devils’s Punchbowl. Der Wasserfall ist 131 m hoch und besprüht einen mit so feinen Wasserstropfen, dass man innerhalb ein paar Minuten klatschnass ist.

Den Avalanche Peak Trank lockte uns mit einer toller Aussicht, aber 1100 m Anstieg. Leider protestierte meine Hüfte nach ein paar hundert Metern Aufstieg und wir mussten geschlagen den Abstieg antreten.

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Mit körperlichen Defiziten beim Laufen und Dauerregen machte ein längerer Aufenthalt in dieser Region nicht viel Sinn, aber es gab schöne Aussichten, als wir wieder Richtung Westküste nach Hokitika fuhren und weiter zum Lake Kaniere.

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Ankommen in Hokitika

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Wir campten bei Lake Kaniere und kuschelten uns bei strömenden Regen in unsere Schlafsäcke.

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Bloss keine schlechte Laune aufkommen lassen!

Bisher hatten wir das Wetter in Neuseeland nur gelobpreist. Unsere Erfahrung war, dass es zwischendurch regnet, es nach spätestens einer oder zwei Stunden aufhört und anstelle die Sonne wieder mit voller Kraft scheint. An der Westküste stauen sich allerdings die Regenwolken, die es nicht über die Südalpen schaffen und regnen sich hier ab. Durch die hohe Feuchtigkeit ist es hier ein Paradies für Sandfliegen. Wenn es landschaftlich nicht so schön wäre, wäre es die Hölle.

Als sich der Himmel schließlich doch ein wenig aufklärte, stieg die Laune und das letzte Bisschen Grummeligkeit verflog, als wir die Hokitika Gorge besuchten. So etwas wie dem Hokitika River hatten wir bisher in Neuseeland noch nicht gesehen. Der Fluss war milchig-hellblau. Er sah aus wie ein Strom aus einem Kokosnuss-Blue Curaçao-Cocktail. Vielleicht war er es sogar, schließlich habe ich nicht daran gedacht, dass Wasser zu probieren.

Auf dem Parkplatz erwischten wir einen Weka (oder auch Wekaralle, aber so nennt sie ihr niemand). Dieser flugunfähige Vogel gefällt mir fast besser als der Kiwi, auch wenn er natürlich lange nicht so süss ist. Denn er hat blutrote Augen und sieht vom Kopf aus wie ein Velociraptor und der größte Vorteil bei ihm ist: Man sieht ihn tagsüber und er ist neugierig.

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In den darauf folgenden Tagen besuchten wir die Region um den Franz Josef Gletscher. Der Pfad, der uns so nahe wie möglich an den Gletscher bringen sollte, entpuppte sich als eine Über-rutschige-Steine-und-Wurzel-fallend-sowie-mehr-klettern-als-wandern Track und führte über lange Hängebrücken, bei denen es ziemlich weit hinunter ging und man sein ganzes Vertrauen in das neuseeländische Department of Conservation steckt. Schließlich kamen wir am Gletscher an, aber leider nicht so nahe, wie wir es uns nach dieser Tortur gewünscht hätten.

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Das Besondere an dem Gletscher ist, dass er unten im Tal auf feucht-tropischen Wald trifft und soweit ich weiß, ist das einzigartig. Es ist eine unvorstellbare große Eismasse, die die nächste Generation möglicherweise nicht mehr zu sehen bekommt, denn auch dieser Gletscher schmilzt und schmilzt: In den letzten hundert Jahren haben sich die westlichen zwei Kilometer des Gletschers verflüssigt.

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Am Monro Beach brachte uns ein einsamer, pummeliger Fiordland Crested Penguin wieder zum strahlen. Die Pinguin-Art ist ziemlich selten und man benötigt Glück, um einen vor die Linse zu bekommen. Voilá:

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Zum Monro Beach führt ein halbstündiger Track, bei dem wir auch dieses “Kerlchen” trafen:

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Um dem Dauerregen und den Sandliegen zu entkommen, flohen wir über den Haast Pass zurück ins Inland und verließen damit endgültig die Westküste. Und es war eine gute Entscheidung. Der Haast  Pass bot uns schöne Aussichten auf das immer trockener werdene Land und am Laka Wanaka wurden unsere Träume war: ein bisschen Sonnenschein, sandfliegenfrei und eine traumhafte Aussicht.

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Das war der erste Teil unserer Erlebnisse, der zweite folgt.

Alles Liebe, eure Nadine

2 Replies to “Die Westküste”

  1. Da habt ihr ja wieder eine Menge erlebt und uns tolle Eindrücke vermittelt!!! Nadine, dir gute Besserung für deine Hüfte. Wir freuen uns schon auf viele weitere Erzählungen live wenn ihr wieder da seid. Dicken Drücker, Sylvia

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