Berge und Seen

Wenn dir die Landschaft den Atem verschlägt, bleibt man gerne länger an einem Ort und so liessen wir es zwei Tage am Lake Wanaka ruhig angehen. Im Grill wurde ein kleines Feuer geschürt, auf dem wir später selbst gemachte gefüllte Pizzabrötchen bucken und Sebastian bastelte mir eine “wilde” Grillfackel. Er weiß, wie er mich glücklich machen kann.

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Der Highway 6 führte uns weiter am Lake Háwea vorbei und weiter Richtung dem Örtchen Wanaka, das am süd-östlichen Ende des Lake Wanakas liegt.

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Es ist ein charmanter kleiner Ort, in dem eine Trinkwasserquelle nahe des Zentrums aus dem Boden sprudelt. Touristen wie Einheimische füllen dort reihenweise Container mit frischen Wasser auf. Wanaka ist zudem das Tor zum Mt. Aspiring National Park – unserer nächsten Station.

Der Parkplatz am Lake Diamond war unsere nächste Übernachtungsmöglichkeit und bot Aussichten auf die trockenen Grasflächen, die bei Sonne und Wind “goldene” Wellen schlagen.

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Am folgenden Tag plante Sebastian einen Teilstück des Rob Roy Valley Tracks zu laufen. Die knapp zwanzig Kilometer zum Start des Tracks entpuppten sich aber als eine nervliche Herausforderung. In Neuseeland gibt es nämlich zwei Arten von Schotterstraßen: die eine ist leicht befahrbar und die andere wird gerne als “Waschbrett”-Straße bezeichnet. So stellt euch eine Straße vor, die im Abstand von, sagen wir, 20 Zentimetern etwa 7 Zentimeter hohe Hubbel aufweist, die sich quer zur Fahrtrichtung befinden. Mit einem 4WD-Fahrzeug mit guter Federung würde die Strecke möglicherweise nichts ausmachen, mit unserer schweren Vanna wurde es eine ziemlich ruckelige Angelegenheit. Zwanzig Kilometer saß man nicht nur wie auf einem bockenden Pferd, sondern im ganzen Wagen klierte das Besteck in den Schubladen, Gläser im Schrank und reihenweise fielen Klamotten aus unseren Verstaumöglichkeiten. Etwa 5 Kilometer vor unserem Ziel machte uns ein größerer, tiefer Bach, der die Strasse überflutete schließlich auch noch einen Strich durch die Rechnung. Mit Vanna kamen wir auf keinen Fall hindurch und gefrustet suchten wir uns am Ufer des Matukituki River eine Möglichkeit zum Bleiben. Am nächsten Tag nahm sich Sebastian eine Mitfahrgelegenheit über die noch fünf folgenden Bäche und musste trotzdem seine geplante Wanderroute ein bisschen abändern.

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In der Nacht regnete es in Strömen und am nächsten Morgen war nicht nur der Matukituki River um ein Vielfaches angestiegen sondern auch der über die Straße fliessende Bach. Aus der Befürchtung heraus, mit Vanna irgendwann auf dem grasigen Uferstreifen im Matsch stecken zu bleiben, mussten wir uns zurück über die Schotterstraße quälen. Zumindest schien in Wanaka die Sonne und wir bestiegen den Stadtberg Mt. Iron.

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Bei knapp 28 Grad lud uns Lake Dunstan zum Schwimmen ein. Die Wassertemperatur lag bestimmt nicht über 15 Grad und trotzdem sprangen wir in den See und schwammen. Das erste Mal in diesem Jahr, in diesem Sommer und überhaupt in Neuseeland. Aber vom Springen kann eigentlich keine Rede sein. Wie Weichnüsse liessen wir uns so langsam vom Bootsanleger in Wasser hineingleiten, bis es kein zurück mehr gab und wir ins Wasser plumpsten; einer Herzattake nahe.

Weiter an Cromwell vorbei kamen näherten wir uns der Queenstown Region und betraten dieses Wunderland für Adrenalin Junkies mit dem Stop an der historischen Kawarau Bridge von 1880, die den Kawarau River überspannt. Der Fluss ist die HdR-Filmlocation des River Anduìn, auf dem die Gefährten an den Königs-Statuen entlang paddeln.

Die Kawarau Bridge ist als weltweit erste kommerzielle Bungy-Spung-Anlaufstelle bekannt, die 1988 auf der Brücke installiert worden ist. Und bis heute stürzen sich dort Verrückte 43 m, die Füsse an ein Seil gebunden, in die Tiefe. Dieses Spektakel wollten wir uns – als Zuschauer natürlich – auf keinen Fall entgehen lassen. Eine Stunde lang sahen wir vergnügt zu, wie Freiwillige im Minutentakt von der Plattform geschubst worden sind und es ist ein richtiges Erlebnis, dass man gut geniessen kann, wenn man selbst nicht springen muss. Es lief chillige Musik, die nur vom gelegentlichen Kreischen unterbrochen wurde und man sah mutige Frauen, die locker mit Hechtsprung, ohne einen Mucks, in die Tiefe sprangen, so locker, wie andere ihr Schuhe zubinden, aufgepumte Kerle, die kreischten, wie kleine Mädchen und Asiaten sprangen durchweg mit den Füssen vorraus und boten, mit dem folgenden hin-und-her Gespringe des gespannten Seils, lustige Akrobatiken.

Bei Arrowtown, ein idyllischer kleiner Touristenort, machten wir eine schöne Wanderungen, auf der man des ganzen Weges entlang Stachelbeeren und Himbeeren pflücken konnte. Es ist eine tolle Kombination – Essen und Wandern. Mampf, gehen, mampf, gehen, mampf, gehen,… und Aussichten bot sich auch noch!

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Bei Lake Hayes genossen wir den zweiten sommerlichen Tag mit sonnen, schwimmen, kalten Bier und Cider.

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Queenstown ist mit 11.000 Einwohner nicht die größe Stadt der Südinsel, wächst in Sommer aber um 40.000 weitere Einwohner – uns Touristen –  an und das spiegelt sich auch im Flair wieder. Die Stadt befindet sich direkt am Lake Wakatipu und inmitten von Bergen und somit eigentlich schön gelegen. Aber die Innenstadt besteht hauptsächlich aus Souveniershops und von alles Seiten wird man von Reklame zugespamt: Geh Bungy springen, jetboating, paragliding, Rafting, Kajak fahren, Wasserski fahren, Helikopter fliegen, Fallschirmspringen, Mountainbike fahren, Reiten, Wandern, Klettern und gebe dafür mindestens 200 Dollar aus. Hier kannst du für alles viel Geld ausgeben und selbst Wandertouren sind Abenteuer-Aktivitäten, für die man bei Guided Walks über 160 Dollar hinblättern kann. Ich wiederhole mich, fürs Wandern!!! Ihr könnt euch vorstellen, dass uns das alles weniger beeindruckt hat und wir anstelle dessen den kostenlosen Frisbee Golf Course in den wundervollen Queenstowns Garden besuchten und anschließend der Stadt schnell den Rücken zuwendeten.

Sebastians Geburtstag verbrachten wir an der Meiklejohns Bay und wie es sich für den Tag gebührt, schien die Sonne, es gab Geburtstagsmuffins und Geschenke wurden ausgepackt. An Genchory vorbei lag unser nächsten (Wander-) Ziel bei Paradise. Ob nun der Name dem entspricht, das er verspricht, konnten wir nicht herausfinden, den auch diese Straße war nach ein paar Kilometer überflutet und wir mussten umkehren.

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In der Nähe gab es aber einen günstigen Campingplatz, von dort aus man mit einer halbe Stunde Fussweg den Lake Sylvan erreichen konnte und so quartierten wir uns dort ein. Der Weg führte durch einen schönen Buchenwald und der Tag war warm und sonnig. Wir wollten ein wenig schwimmen gehen, das zudem eine nötige Dusche ersetzten musste. Das Wasser im See war klar und sauber, reichte aber selbst nach 10 Metern immer nur noch bis zu den Oberschenkeln. Nicht das, was wir uns vorgestellt hatten, aber waschen konnte man sich trotzdem.

Sebastian lief am nächsten Tag einen Teil des Routeburn Tracks, auf dem ich ihn nur ein kurzes Stück begleitete.

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Später ging es die Queenstown-Glenorchy Road wieder zurück und am nächsten Tag fuhren hoch in das Coronet Skigebiet, beobachteten Paraglider und Drachenflieger und zum übernachten ging es wieder zum Lake Hayes.

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Am folgenden Tag fuhren wie hoch in das Remarkables Skigebiet. Die Weg dorthin ist die höchste befahrbaren Strasse in Neuseeland und wir krochen mit Vanna auf 1600 Meter hoch. Dort oben ging es zu Fuss noch knapp 400 m höher zum Lake Alta und über eine Bergkuppe zurück zum Auto. Ich brauche nicht erwähnen, dass wie fabelhafte Ausblicke auf die Bergspitze des Fjordlands hatte, die wir in den kommenden Tagen besuchen würden.

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Alles Liebe, eure Nadine

2 Replies to “Berge und Seen”

  1. Hallo Nadine,

    immer wenn ihr wieder neue Bilder und Texte einstellt, werde ich erinnert, dass es noch was anderes gibt als der Alltag und das Büro. Was für eine Landschaft! Ich stelle mir vor, wie sauber die Luft ist und wie ruhig es sein muss ohne viele Menschen. Ihr werdet es schwer haben, wenn ihr wieder hier seid und euch wieder umstellen müsst. Deshalb genießt jeden Tag und jede Minute. Was macht denn deine Hüfte. Kannst du deswegen noch nicht mitwandern? Warst du mal beim Doc? Habt weiterhin eine gute Zeit. Wir freuen uns auf euch.

    Liebe Grüße
    Papa

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