Christchurch, Endstation!

Kurz vor dem Besuch einer Großstadt kommen immer gemischte Gefühle auf. Zum einen ist die Vorfreude auf das urbane Leben mit dem größeren Kulturangebot und auf der anderen Seite wissen wir, dass es uns nach spätestens einem Tag in der Betonwüste zurück ins Grüne zieht. Zusätzlich ist Christchurch unsere vorläufig letzte Station in Neuseeland. Das versetzt uns in gespannte Erwartung hinsichtlich kommender Abenteuer, aber auch ein wenig in Missmut, dieses großartige Land verlassen zu müssen.

Christchurch ist mit 340.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Neuseelands und mit Abstand die Größte der Südinsel.


In Wuppertal leben 345.000 Menschen auf 168,39 km² während sich Christchurch auf einer Fläche von 1.426 km² erstreckt. Die große Fläche der Stadt kommt hauptsächlich durch die zahlreichen Vororte zustande, schließlich leben die Kiwis hier wie überall auf der Südinsel hauptsächlich in alleinstehenden, einstöckigen Häusern und das benötigt bei dieser Einwohnerzahl natürlich eine ganze Menge Platz. Der Stadtkern von Christchurch mit seinen Sehenswürdigkeiten ist verhältnismäßig klein.


Auf unseren zweitägigen Erkundungen hat uns besonders gut das Canterbury Museum, die Christchurch Art Gallery – Te Puna o Waiwhet und der botanische Garten gefallen.

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2010 und 2011 wurde die Stadt von einem schweren Erdbeben bis Stärke 7,1 Mw heimgesucht. Das Epizentrum lag nur 10 km vom Stadtzentrum entfernt und zerstörte dieses weitestgehend. Viele historische Gebäude wie die Christchurch Cathedral stürzten ein und konnten bis heute nicht wieder aufgebaut werden. Ob das Wahrzeichen der Stadt überhaupt neu errichtet werden kann oder wird, wurde bisher nicht entschieden.

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Chch City ist nach dem Beben zu einer einzigen großen Baustelle geworden. Oft kommt man an eingestürzten oder beschädigten Gebäuden vorbei und zum Teil steht nur noch die historische Fassade. In der Straße wird man vom Lärm der Presslufthammer verfolgt, es wird gehämmert was das Zeug hält und in regelmäßigen Abständen wird’s staubig. Man muss der Stadt allergings zu Gute halten, dass sie versucht, trotzdem attraktiv zu bleiben. Zumindest an den Stellen, wo es gerade keine Baustelle gibt.

Der Schiffscontainer als ursprüngliche Notlösung ist ein immer wiederkehrendes Stadtbild. Die Re:START Mall hat diese zum Shopping-Erlebnis umfunktioniert, aber ansonsten wirkt es ziemlich Trist.

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Re:START Mall

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Einen Abend verbrachten wir im Hafen von Lyttleton, einem Vorort von Christchurch, auf einem Freedom-Campingplatz . Dort tummelten sich bestimmt die Hälfte der jungen, deutschen Backpackerszene, die Vans standen Aussenspiegel an Aussenspiegel und schlechter deutscher Rap dröhnte aus den Autolautsprechern. Wir fragten uns, ob sich in Deutschland überhaupt noch ein einziger frischegebackener Abiturient befindet und fühlten uns alt.

Am nächsten Tag ging es zu unserer neuen deutsch-neuseeländischen Woofing-Famile. Zusammengefasst entwickelte es sich leider zu unserem ersten negativen Woofing-Aufenthalt. Wir fühlten uns von den Kindern nicht willkommen und täglich unwohler. Schließlich brachen wir das Ganze viel früher ab und fuhren stattdessen ins Inland zum Mt. Robert, wanderten, entspannten uns und nutzen die Zeit um neue Pläne zu schmieden.

Wir entschieden uns, die Sandsteinfelsen von Castle Hill zu besuchen, die schon mal als Filmlocation diente. Und nein, es ist nicht Herr der Ringe, sondern hier wurden Teile des Films Die Chroniken von Narnia gedreht. Übrigens bezeichtnete der Dalai Lama, den Castle Hill als ein “Spirituelles Zentrum des Universums”. Die Aussichten waren auf jeden Fall gut 😉

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In der Nähe von Castle Hill kann man einen unterirdisch fliessenden Bach etwa 1 Stunde lang durch eine Höhle folgen. Da der Stream zum Teil einen Meter tief sein sollte und es in einer Höhle bekanntlich kalt und dunkel ist, zogen wir Shorts und ein schnelltrocknendes Shirt an, rüsteten uns mit Stirnlampen aus und stürzten ins Abendteuer. Am Höhleneingang war der Bach am tiefsten und während das Wasser Sebastian nur bis zur Hüfte ging, wattete ich bis zur Brust durch das ziemlich kalte Wasser. Ich verfluchte meine Kürze in diesem Moment. Wir folgten dem Bach immer tiefer ins Höhleninnere und da es stetig berauf ging, gab es einiges zu erklettern, immer mindestens mit den Füßen im Wasser. Als wir schließlich wieder in die Sonne traten, waren wir zwar nass aber euphorisch: Was für ein Spaß!

Anschließend ging es wieder Richtung Christchurch und wir erkundeten die Banks Peninsula. Die Halbinsel liegt östlich vor Christchurch und ist vulkanischen Ursprungs. Sie besteht aus den Resten ursprünglicher Schichtvulkane und bildet heute einen großen natürlichen Hafen, in dem auch die Stadt Akaroa liegt. Ein französischer Walfänger gründete dort 1830 eine französische Kolonie. Heute gibt es dort natürlich keine Kolonie mehr, aber der französiche Einfluss erkennt man in der Architektur der kleinen Holzhäusern. Crêpes gab es leider nicht.

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Zurzeit liegt unser Hauptaugenmerk beim Autoverkauf und dadurch sind wir an die Stadtnähe gebunden. Die Tage rasen zwar an uns vorbei, aber die Warterei auf mögliche Interessenten zerrt an unseren Nerven. Wir verbringen zurzeit ungewöhnlich viel Zeit an einem Ort und ehrlich gesagt, es kann schon mal ziemlich langweilig sein. Die kleinen Spaziergänge wie zum Beispiel bei Taylor’s Mistake halten uns ein wenig bei Laune, aber trotzdem.

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Wir werden aber berichten, wenn es Neuigkeiten gibt,

Liebe Grüße, eure Nadine

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