Dargaville nach Kaikohe

Auf der Strassenkarte als Stadt gekennzeichnet, erreichten wir nach Mangawhai Heads den Ort Dargaville und waren überrascht, dass der Altas diesmal Wort gehalten hat: Es gab mehr als eine Einkaufsmöglichkeit!  Es gab auch einen kleinen botanischen Garten, in dem wir abends eingesperrt wurden, weil die Tore eine Viertelstunde früher als angegeben geschlossen wurden. Wir retteten uns, indem wir über den Zaun kletterten. Ich fühlte mich richtig spitzbübig.

Wir übernachteten auf einen Parkplatz hinter dem Supermarkt, auf dem um 4 Uhr morgens die Hölle los war. Ständig kamen neue LKW an und lieferten die Waren aus, aber die öffentlichen Toiletten waren in Ordnung. Deswegen war es ein guter Ort.

Wir blieben eine zweite Nacht und besuchten am Tag den einsam stehenden Berg Tokatoka. Nach einen 15-minütigen, knackigen Anstieg belohnte uns Tokatoka mit atemberaubende 360°-Aussicht über die weiten Neuseelands.

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Danach fuhren wir mit Vanna über den gut befahrbaren Baylys Beach.

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Wir besuchten einen DOC-Campsite im Trounson Kauri Park. Direkt am Platz gab es einen Eingang zum Wald, in dem man atemberaubend große Kauri-Bäume betrachten konnte. Und neben den heißen Duschen (nach Tagen ohne!) war aber die Nachtwanderungen das Highlight.

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Wir suchten zwei Nächte hintereinander in dem dichten Wald nach Kiwis. Und ich meine in diesem Fall diese putzigen, flugunfähigen Vögel, nicht die Frucht oder die Neuseeländer. Ihr könnt euch das so vorstellen: Es ist arschdunkel. Also wirklich. Man sieht die eigene Hand nicht vor Augen. Selbst wenn es nicht in Strömen geregnet hätte, wäre kein Mondstrahl durch das dichte Blätterdach gedrungen. Wir waren zu dritt und hatten meist nur eine Taschenlampe an, um die Kiwis nicht mit den vielen bewegenden Schatten zu erschrecken und zu verscheuchen. Auch haben wir die Lampe mit einer roten Folie abgedeckt, da das helle Licht den Kiwi-Augen schadet und die Vögel vertreibt. So ausgerüstet schleicht man also durch den Wald, immer auf dem Pfad bleibend, in einen Schneckentempo vorwärts, läuft ineinander rein und haucht leise ein Stopp, sobald der Wind ein Blatt bewegt oder man eine Bewegung vermutet. Das macht man eine oder zwei Stunden lang erfolglos und plötzlich steht ein Kiwi direkt vor dir. Er ist erschrocken, du bist erschrocken und kannst dein Glück kaum fassen, dass du dieses lebende Nationalsymbol in freier Wildbahn siehst und schon hat es sich langsam hinter den nächsten Baum verdrückt. Ein kurzer Moment voller Glückseligkeit. Und dann stehst du wieder bei Kälte und strömenden Regen im dunklen Wald und fragst dich, was du da eigentlich machst.

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Kein Bild von uns, ab so sah es in etwa aus

Am folgenden Tag besuchten wir den siebtgrößsten, drittgrößten und schließlich den größsten Kauri-Baum der Welt. Diese Bäume verschlagen einen dem Atem. Sie sind wegen ihrer Größe und ihrem Alter unglaublich eindrucksvoll. Der größte Kauri – der Tane Mahuta bedeutet in maorisch “Der Herr des Waldes”.

Tane Mahuta

Nach dem tagelangen Aufenthalt in den immergrünen, feuchten und dichten Wälder erreichten wir bei Oponini Harbour die Küste. Es eine Stelle, an der das Meer noch tief ins Landesinnere dringt. Auf der gegenüberliegenden Seite erstreckten sich große Sanddünen, aber auf unserer schloss das Land mit Klippen und kleinen Strandbuchten ab. Auf einer Wanderung die auf den Klippen entlang führte sahen wir einen Wasserfall, bei dem das Wasser durch starken Wind von unten nach oben getragen wurde.

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Die Übernachtungsmöglichkeit, die wir uns für die Nacht herausgesucht hatten, sollte ausserhalb des Ortes direkt am Meer liegen, aber als wir ankamen, häuften sich in der Einfahrt die Durchfahrt-Verboten-Schilder und uns kam ein knurrender, bellender Stafford-Ridgeback-Mix entgegen, dessen Rückenhaare sich sträubten. Wir drehten auf der Stelle um, kamen aber an einem Nachbar vorbei, der uns sagte, wir seien schon ganz richtig. Also zuckten wir mit den Schultern, fuhren wieder zurück, am Hund vorbei und auf das eingezäunte Stück Land. In einer kleinen Hütte saß ein Mann, der bestätigte, dass wir hier für nur 6 Euro die Nacht stehen dürfen. Er schlug uns auch direkt das Angebot vor, dass, wenn wir für 2 Nächte zahlen, solange bleiben könnten wir wie wollen. Er erklärte uns auch, was es mit den Verboten auf sich hatte: Das Stück Land ist Maori-Eigentum und war bis vor ein paar Jahren noch mit Farnen und Sträuchen zugewuchtert. Als die Besitzer schließlich das Grundstück in langer Arbeit  in eine zugängliche Wiese umwandelten, kam das Council und wollte das Land an sich nehmen. Die Maoris sträubten sich und der Fall wurde lange in den Medien behandelt. Und damit nicht weitere Reporter oder Angestellte vom Council auf dem Privatland herumlungern, gibt es jetzt dieses kleine Wachhäuschen. Wir blieben dort drei Nächte und starteten von dort aus Tagesausflüge. Der Platz war wunderschön gelegen: direkt am Meer mit schöner Aussicht auf die gegenüber liegende Küste und nachts strahlte der Sternenhimmel über uns. Morgens konnten wir Kekenos beobachten, die sich etwa 100 Meter entfernt in der Sonne ausruhten. Nachteil war nur, dass es kein Strom gab und die Sanitäranlagen aus einem heruntergekommenen Plumpsklo bestand.

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Als wir an einem der folgenden Tagen in den nahe liegenden Wäldern wanderten, ließen wir es und somit auch nicht nehmen, in einem kleinen Teich unter einem Wasserfall zu baden um Schmutz und Schweiss der letzen Tage abzuwaschen. Erstaunlicherweise hat es nur 10 Sekunden gedauert, bis wir uns wieder sauber fühlten.

Schließlich kam der Tag, an den wir nach Kaikohe weiterfuhren. Dort besuchten wir die Ngawha springs. Durch hohe thermische Aktivität entstanden hier heisse Quellen. Als wir aus dem Auto stiegen, wurde der Geruch nach faulen Eiern bestialisch. Die aufsteigenden Schwefeldämpfe hätten fast dazu geführt, dass ich am liebsten so viele Meilen hinter mich gebracht hätte, bis sich der Gestank verflüchtigten konnte. Sebastian überredete mich, mit der Aussicht auf ein zwar stinkenden, aber zumindest heißem Bad und näher kommt man den vulkanischen Naturgewalt nun wirklich nicht. Man gewöhnt sich an den Geruch, während man in dem Blubberbad liegt. Allerdings gab es Vorort keine Duschen und so stinken die Haare, die Haut und die Kleidung, die man kurz nach dem Bad angezogen hat, weiterhin.

Hinter Kaikohe an dem See Omapere lag unser erster Woofing-Stay, den wir Abends stinkend erreichten. Dazu aber mehr im nächsten Post.

Liebe Grüße, Nadine

 02/08/2015 – 09/08/2015

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