Roadtrip to Brisbane

Die Reise geht weiter. Am Montag dem 13. April verließen wir Sydney und machten uns auf den Weg nach Brisbane. Dafür hatten wir uns im bereits aus Deutschland einen Wagen gemietet und 2 Wochen eingeplant. Für gerade einmal 1000km ist das viel Zeit und wir entschieden uns dazu, einen kleinen Abstecher nach Süden zu unternehmen und im Anschluss übers Inland in die Blue Mountains zu fahren.

Wir verspürten schon vor Beginn unserer Reise keine große Lust, eine vollkommen nutzlose Campingausrüstung durch den asiatischen Kontinent zu schleppen und so schickten wir vorab ein Paket nach Sydney zu einer Bekannten. Ich weiß noch, wie aufgeregt wir waren, die Kiste in der Größe eines Umzugskartons mit den meisten unserer Wertsachen vertrauensvoll in die Hände der Post zu geben und einmal um die halbe Welt zu schicken. Aber es hat zum Glück alles wunderbar geklappt. Der Karton war unbeschädigt und kam auch rechtzeitig an.

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Um den Trip starten zu können, holten wir zu Beginn das Mietauto in der Innenstadt ab. Nur ein Nissan Micra, aber für uns ausreichend. Woran wir bei der Auswahl des Abholorts nicht gedacht haben, war der Umstand, dass wir ein Auto, welches Lenkrad und Schaltung auf der verkehrten Seite hat, durch die Rushhour einer Großstadt zu fahren. Ich startete den ersten Versuch und nach kurzer Eingewöhnungszeit klappte das mit dem Schalten ganz gut, auch wenn ich bestimmt weitere 100 km benötigte, um die die Tücken des Autos zu bewältigen. Man tendiert dazu viel zu weit links zu fahren und betätigt statt dem Blinker jedes mal den Scheibenwischer. Da hilft nur: komische Blicke ignorieren und weiterfahren.

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Wir wussten im voraus, dass Camping in Australien ein sehr teures Vergnügen sein würde und hatten vor, wenn möglich auf kostenfreien Plätzen und Rest Areas zu nächtigen. Diese findet man in großer Zahl und an landschaftlich schönen Orten im Inland, an der Küste hingegen sind solche Plätze rar. Letztendlich waren wir nur in zwei Nächten auf kommerziellen Campingplätzen und haben somit viele Dollars gespart. Zudem stellen Städte viele öffentliche Picknick-Plätze bereit, die mit Toiletten und Grills ausgestattet sind. Unser Campingkocher kam deshalb nur selten zum Einsatz.

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Unsere erste Nacht war einer dieser schönen Orte. Auf einer Wiese in der Nähe eines kleinen Sees bauten wir unser Zelt auf und trafen währenddessen einen Typen, der kurz erwähnt werden muss. Er wohnte im Wohnmobil neben uns und lebte dort die meiste Zeit mit einem sprechenden Papagei und seinem Hund. Ein verrücktes Gespann doch sehr lustig, wenn man den Kauz erstmal kennenlernt.

Am zweiten Tag folgten wir der Küsten weiter gen Süden nach Jervis Bay, eine Bucht, die für den weissesten Sandstrand der Welt und den gleichnamigen Nationalpark berühmt ist. Auf dem Weg besichtigten wir das Blowhole am Leuchtturm von Kiama. Hier schießt die Brandung eine Wasserfontäne von bis zu 20 m in die Höhe.

Unser Campingplatz in Jervis Bay lag hinter Dünen direkt am Strand und wurde von vielen Kangaroos aufgesucht, die sich an die Nähe zu Menschen gewöhnt haben und mit Vorliebe ihre Nase in Einkaufstüten stecken. Ein Bad im Pazifischen Ozean ist zu dieser Jahreszeit ein kaltes Vergnügen.

Wir durchwanderten am Folgetag ein gutes Stück der Wanderwege im Nationalpark, verbrachten einige Zeit am Strand und fuhren Nachmittags wieder Richtung Norden und ins Inland, denn unser Ziel lag in entgegengesetzter Richtung. Der Weg führte uns durch das Kangaroo Valley, in dem wir auf einem freien Campingplatz übernachteten und auf dem nach Sonnenuntergang jede Menge Wombats um die Zelte gallopierten.

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Die nächsten zwei Tage fuhren wir zurück nach Sydney und in die Blue Mountains und bestaunten einige der schönen Naturwunder, wie die Fitzroy Wasserfälle, und die Wentworth Wasserfälle.

Fitzroy Falls
Fitzroy Falls

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Das Megalong Valley ist nur mega lang sondern liegt auch sehr abgelegen. Der ruhige Campingplatz am Ende des Tals besuchten wir wegen dem Six Foot Track, ein bekannter Wanderpfad, der 44 km lang durch die Blue Mountains führt. Wir sind eine Etappe gelaufen und diese führte uns über schöne Weiden und durch Wald, in dem sich die Vegetation von trocken und lichten Abschnitten mit dicht bewachsenen Flächen abwechselte. Auf halber Strecke kamen wir an einen Punkt, in dem der Pfad über eine Hängebrücke führt, die über dem Megalong Creek gespannt ist. Die am Wasser liegenden Felsen waren ganz glatt gespült worden und ein Paradies zum Barfußlaufen.

Der Canyon Walk bei Blackheath fanden wir mit am Beeindruckendsten. Er führt vom Hochplateau ‘Evans Lookout’ runter in die dunklen Schluchten des Canyons und am Greaves Creek entlang, der sich im Laufe der Jahre wie eine Klamm tief in den Stein eingefressen hat. Die Felsen an beiden Seiten waren von dichtem Regenwald gesäumt und durch den Regen der letzten Nacht hatten sich viele Wasserfälle gebildet. Die Luft roch frisch und der Wald war von vielen Vogelstimmen erfüllt.

Mit dem Anfang der zweiten Woche unserer Tour kam nicht nur der Aufbruch zur Küste und die Erkenntnis, das uns wenig Zeit für den restlichen Weg bliebe, sondern auch ein Naturerlebnis der unangenehmen Art. Wir wurden am Abend mit Regen und übernachteten im Wagen. Es schüttete den kompletten darauffolgenden Tag und wir erfuhren, dass ein gewaltiges Tiefdruckgebiet weite Gebiete von Sydney und New South Wales zusetzte. In Sydney hatte es bereits gestürmt und in der Nacht sollte es der Sturm seinen Höhepunkt erreichen. Wir setzten unsere Fahrt im Regen fort und passierten die Central Coast und das Hunter Valley. In Buladelah, einem Ort an der A1 entschieden wir die Nacht zu verbringen. Das Dorf beginnt mit der Überquerung des Myall Rivers und am Flussufer wurde von der Gemeinde eine kleine kostenfreie Camping-Area eingerichtet. Allerdings war diese vom Regen verschlampt und Toiletten gab es auch nicht also fuhren wir 200 m weiter zum lokalen Pub, vereinbarten mit dem Besitzer, dass wir auf dem Parkplatz im Auto schlafen würden, aßen zu Abend und gönnten uns das ein oder andere Bier. Es schüttete immer noch aus Kübeln als wir später zum Auto hechteten, um unsere Nachtruhe zu beginnen. Und da fing der Spaß erst richtig an! Wir erwachten, weil der Sturm das Auto durchschüttelte und sich um uns herum die Bäume bogen. Eingeschlossen zwischen einer wackelnden Palme und einem knarrenden Strommast machten wir kein Auge zu. Nur eine halbe Stunde Fahrzeit weiter nördlich, sollte das Sturmgebiet bei der Stadt Forster plötzlich enden. Die Verlockung war nur allzu groß, loszufahren und das ganze Dreckswetter einfach hinter uns zu lassen. Der Sturm flachte allerdings bald ab und wir verwarfen diesen nicht ungefährlichen Plan.

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Die Ausmaße des Sturm, der auch in den deutschen Nachrichten thematisiert wurde, wurde uns dann im Morgengrauen ersichtlich. Der kleine Fluss, war auf ein vielfaches angestiegen und hatte die komplette Gegend überflutet. Von dem kleinen Campingplatz war nichts mehr zu sehen. Später erfuhren wir außerdem, dass es die Gebiete, welche wir am Vortag durchfahren hatten am schlimmsten erwischt hatte. Hier wurden ganze Häuser weggespült und drei Menschen kamen um. Wir setzten unsere Reise nach Norden fort, wo der Regen es erst gar nicht hingeschafft hatte. Wie schön war dieser Tag!? Die Sonne schien, es war warm, wir planschten im Meer und schwammen mit Delfinen bei der Stadt Forster.

Wir besuchten in Port Macquarie das Koala Hospital. Die kostenfreie empfehlenswerte Führung war sehr informativ und Koalas sind eh der Renner (naja, meistens schlafen sie nur). Wie entschieden uns, eine weitere Nacht im Auto zu verbringen, umd dafür am Folgetag umso früher an einen Campingplatz anzukommen, wofür wir zwar zahlen mussten, aber den wir wegen heissen Duschen sehnlichst erwarteten. Nach so viel Fahrerrei und Zeit im Auto brauchten wir dringend eine Auszeit davon und freuten uns wie dolle endlich wieder im waagerechten Zustand schlafen zu können. Im Auto ging dies nur im sitzend. Wie haben wir unser Zelt gefeiert! Und das Barbeque, die heiße Dusche, die Waschmaschine, der Spülgang in der Meeresbrandung und die Sonne. Der Geruch nach frischen Sachen, gekühlten Orangensaft und als Highlight einen Toaster. Die Australier haben nämlich auch ein Fable für geschmackloses, viel zu weiches Weißbrot, das besonders in Verbindung mit Erdnussbutter zum Erstickungstod führen kann. Der Toaster machte das halbwegs wieder wett und das Leben war schön.

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Wir machten bei Byron Bay einen Stopover. Der Ort ist für die (ehemalige) Hippiekultur und das Lila-Lotter-Leben bekannt. Noch heute leben hier viele Austeiger und Künstler und man kann durch zahlreiche kleine Läden und Surfshops stöbern. Am Leuchturm, der für den östlichsten Punkt Australiens steht, genossen wir die Aussicht auf den Ozean.

Die Nacht verbrachten wir einige Kilometer landeinwärts in Burrinbar. Zwanzig Minuten entfernt steht der Mount Warning. Dieser Vulkanschlot ist mit knapp 1000 m zur Spitze der größte Australiens und diesen erkletterten wir auf einem “nur” 4,4 km langen Wanderpfad am nächsten Tag Die vielen Höhenmeter auf kurzer Distanz waren anstrengend und auf den letzten 10% mussten wir klettern. Für die Aussicht hat es sich gelohnt und der Abstieg ging natürlich doppelt so schnell.

So vollgeschwitzt und ein bisschen dreckig wollten wir natürlich nicht in Brisbane ankommen und da wir auf dem Weg einen Abstecher zur Gold Coast machen wollten, sprangen wir bei Currumbin ins Meer, nutzen die Strandduschen und dann gings nach Surfers Paradise. Ich kann mir vorstellen, warum die Menschen hier Urlaub machen. Die Hotels liegen direkt am Meer und es gibt tausende Essen,- Shopping und Ausgehmöglichkeiten. Aber es ist voll, laut und hektisch also war ich froh, als wir wieder aus dem Trubel draussen waren. Nun ging es auf kürzestem Wege nach Logan bei Brisbane, wo Sebastians ehemalige Gasteltern Nicola und Brian wohnen. Ich hatte schon viel von den Beiden gehört und war schon sehr gespannt auf unser Zuhause für die nächsten Wochen.

Der Roadtrip hat uns wirklich viel Spass gemacht. Australien hat wirklich viel zu bieten und wir hätten uns gewünscht viel mehr Zeit gehabt zu haben. Wir kamen an so viele schöne Orte, die wir gerne länger über mehrere Tage erkunden hätten und doch nicht konnten. Mit dem Gedanken im Nacken, das Auto auch nutzen zu müssen (weil man schließlich dafür bezahlt hat) blieben wir am jeden Ort nur für eine Nacht. Das war anstrengend und teils unbefriedigend. Umso mehr freuen wir uns auf Neuseeland, wo wir keinen Zeitdruck haben werden und nehmen uns weiterhin vor, Australien noch einmal zu besuchen.

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